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FAQs zum Thema "Handlungsorientiert Prüfen"

Zur Entwicklung handlungsorientierter Prüfungsaufgaben bzw. Durchführung handlungsorientierter Prüfungen gibt es einige Fragen, die häufiger gestellt werden. Hier finden Sie die Antworten zu diesen Fragen.

Besteht nicht die Gefahr, dass viele Prüfungsteilnehmer durchfallen, wenn Prüfungsaufgaben konsequent handlungsorientiert gestaltet sind?

Handlungsorientierte Prüfungsaufgaben sind stärker an den Themen der Praxis ausgerichtet und müssten daher normalerweise für die Prüfungsteilnehmer aufgrund ihrer praktischen Arbeit auch eher beantwortet werden können. Die Erfahrung hat gezeigt, dass dies auch der Fall ist, wenn den Teilnehmern diese Prüfungsanforderungen im Vorfeld der Prüfung bekannt sind. Es hat sich daher bewährt, vor allem den Berufsschulen beispielhafte Prüfungsaufgaben zur Verfügung zu stellen, um die Auszubildenden auf die neue Art der Prüfung vorzubereiten. Wenn in dieser Weise Transparenz über die Anforderungen in der Prüfung geschaffen wird, sind die Durchfallquoten zumindest nicht höher als bei bisherigen Prüfungen. Rückmeldungen aus Prüfungen zeigen, dass die die Prüfungsteilnehmer mit den handlungsorientierten Aufgaben sehr zufrieden sind.

Gibt es auch handlungsorientierte programmierte Aufgaben?

Wesentlich für handlungsorientierte Prüfungsaufgaben ist der Bezug zu Handlungs- oder Fallsituationen, die zu bewältigen sind. Für sie ist daher die Verbindung von (Fall)situationen mit entsprechenden Frage- oder Aufgabenstellungen erforderlich. Dieser Bezug kann auch begrenzt in programmierten Aufgaben hergestellt werden, vor allem, wenn mehrere gebundene Aufgaben (Multiple Choice, Zuordnungsaufgaben usw.) zur Lösung einer Fallsituation gestellt werden. Voraussetzung ist, dass diese Aufgaben einen klaren Bezug zur Fallsituation haben und dazu dienen, das dort gestellte Problem zu lösen. Das ist meist ganz gut in Situationen möglich, bei denen eindeutige Lösungen vorkommen. Grenzen haben programmierte Aufgaben in Situationen, in denen sehr unterschiedliche Lösungsansätze denkbar sind, zu denen Entscheidungen getroffen, begründet und die Realisierungen dargestellt sowie bewertet werden sollen.

Wie kann ich vorgehen, um handlungsorientierte Aufgaben zu entwickeln?

Für das Erstellen handlungsorientierter Prüfungsaufgaben geht es zunächst darum, Situationen zu formulieren. Hier sollen Kernsituationen (Fälle) der Praxis angesprochen werden, die möglichst mehrere Lösungen zulassen und die einen klaren Bezug zur Prüfungsordnung aufweisen, d. h. die mit der Situation verbundene Problematik ist prüfungsrelevant. Dazu sind dann in der Regel mehrere Teilaufgaben zu stellen, deren Bearbeitung zur Lösung des Problems führt. Die Prüfungsaufgaben sollen sich möglichst auf eine vollständige Handlung beziehen. Durch das Stellen der Teilaufgaben können Aspekte der einzelnen Phasen (Planung, Durchführung, Kontrolle) mit angesprochen werden. Die Situations-/Fallbeschreibung soll klar, prägnant und überschaubar formuliert werden und alle wichtigen Aspekte/ Fakten enthalten, die zur Lösung des Problems bzw. des Falles erforderlich sind. Wichtig ist, dass sich die dazu gestellten Aufträge/Aufgaben direkt auf die Situation beziehen. Sie sollen eindeutig formuliert und der Aufgabenumfang soll klar erkennbar sein. Soweit erforderlich sind Zusatzinformationen und Hilfsmittel bereitzustellen, die für die Lösung notwendig sind.

In welchen Prüfungsbereichen sind handlungsorientierte Aufgaben gefordert?

Handlungsorientierte Prüfungsaufgaben sind in allen neugeordneten Ausbildungsberufen gefordert. Dort ist in der Ausbildungsordnung unter der Zielsetzung der Ausbildung ein Passus enthalten, der verlangt, dass die Vermittlung der Fertigkeiten und Kenntnisse bezogen auf Arbeits- und Geschäftsprozesse erfolgt. Die Auszubildenden sollen zur Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit befähigt werden, die insbesondere selbständiges Planen, Durchführen und Kontrollieren sowie das Handeln im betrieblichen Gesamtzusammenhang einschließt. Diese Fähigkeit ist auch in den Prüfungen nachzuweisen. Dabei geht es in den schriftlichen Prüfungsbereichen oft darum, berufliche Problemstellungen mit verknüpften planerischen, technologischen, mathematischen usw. Sachverhalten zu analysieren, zu bewerten und Lösungswege darzustellen.

Die Prüfungsordnungen in den neu geordneten Fortbildungs- und Meisterprüfungen sind ebenfalls auf handlungs- oder prozessorientierte Aufgaben gerichtet. Das bezieht sich nicht nur auf fachpraktische Teile sondern auch auf die schriftlichen Prüfungsbereiche. Besonders in den neu geordneten Meisterprüfungen geht es, zwar auf höherem Niveau und deutlich komplexer, jedoch in der Grundforderung ähnlich wie in der Ausbildung darum, berufsbezogene Probleme zu analysieren, zu bewerten, Lösungswege aufzuzeigen und zu dokumentieren. Dazu sollen häufig unterschiedliche Aspekte (wie technologische, verfahrenstechnische, mathematische, wirtschaftliche usw.) miteinander verknüpft werden.

Müssen Prüfungsteilnehmer/innen besonders auf handlungsorientierte Prüfungen vorbereitet werden?

Prüfungstransparenz ist immer wichtig. Das bedeutet besonders auch, dass die Prüfungsteilnehmer im Vorfeld - und das möglichst frühzeitig - über die Art der Aufgabenstellung (fachbezogen oder handlungsbezogen, offen oder geschlossen) informiert werden und derartige Aufgaben auch zur Vorbereitung auf die Prüfung erhalten. Prüfungsausschüsse sind daher gefordert, Beispielaufgaben für die Vorbereitung bereitzustellen und möglichst Schulen und überbetriebliche Bildungsstätten entsprechend zu informieren.