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Geänderte Anforderungen in der Meisterprüfung im Handwerk

Das Meisterprüfungsberufsbild und die Prüfungsanforderungen in den Teilen I und II der Meisterprüfung sind seit 2001 in einer Reihe von Handwerken (beispielsweise im Friseur-, Elektrotechniker-, Metallbauer-, Sanitär- und Heizungsbauer-, Maurer- und Betonbauer- oder Maler- und Lackierer-Handwerk) neu geordnet worden.


Dabei sind zum Teil auch mehrere Berufe zusammengeführt worden, z. B. beim Elektrotechniker, beim Sanitär- und Heizungsbauer oder beim Maurer und Betonbauer.

Die neuen Verordnungen unterscheiden sich wesentlich von den bisher geltenden Verordnungen. Durch die Meisterprüfung soll in den neu geordneten Handwerken in erster Linie festgestellt werden, dass der Prüfungsteilnehmer befähigt ist, einen Betrieb selbstständig zu führen, Leitungsaufgaben im technischen, kaufmännischen und personalwirtschaftlichen Bereich wahrzunehmen, die Ausbildung durchzuführen sowie seine berufliche Handlungskompetenz eigenverantwortlich umzusetzen und an neue Bedarfslagen in diesen Bereichen anzupassen. In den jeweiligen Meisterprüfungsberufsbildern wird auch deutlich, dass es nicht mehr auf Einzelkenntnisse und Fertigkeiten ankommt, sondern dass ganzheitliche Qualifikationen in den oben dargestellten Leitungsbereichen verlangt werden. Dort wird auch herausgestellt, dass die Meisterqualifizierung heute nicht mehr abschließend sein kann, sondern schon in der Meistervorbereitung die Einsicht und die Fähigkeit gestärkt werden soll, sich durch lebensbegleitendes Lernen laufend weiter zu qualifizieren und sich so an neue Bedarfslagen anzupassen.

Überwiegend werden in den Gewerken für die Durchführung der Meisterprüfung im Teil I Schwerpunkte gebildet. Die Prüfungsteilnehmer müssen einen Schwerpunkt auswählen und im jeweils gewählten Schwerpunkt dann ein Meisterprüfungsprojekt durchführen, das einem Kundenauftrag entspricht. Das Projekt umfasst die Planung, die Durchführung und die Dokumentation. Die Prüfungsordnungen sehen vor, dass die konkrete Aufgabenstellung des Meisterprüfungsprojektes durch den Prüfungsausschuss festgelegt wird. Dabei sollen die Vorschläge des Prüflings berücksichtigt werden, wenn sie den Prüfungsanforderungen entsprechen und ihre Durchführung oder Anfertigung keinen für den Prüfungsausschuss unangemessenen Zeit- und Kostenaufwand erfordern.

In einzelnen Gewerken (z. B. Elektrotechniker) wird darüber hinaus die Bearbeitung von Situationsaufgaben verlangt. Sie dienen dazu Qualifikationen aus den nicht gewählten Schwerpunkten zu überprüfen.

Neu im Teil I ist das Fachgespräch. Es entspricht nicht einer mündlichen Prüfung im herkömmlichen Sinne, in der oft nur isoliertes Faktenwissen abgefragt wurde. Es kommt vielmehr darauf an, dass der Prüfling auf der Grundlage der Prüfungsleistungen im Meisterprüfungsprojekt dem Prüfungsausschuss die fachlichen Zusammenhänge aufzeigen kann, die seinen Arbeiten zugrunde liegen. Er muss dabei deutlich machen, dass er berufsbezogene Probleme lösen kann und in der Lage ist, neue Entwicklungen zu berücksichtigen.

Die Meistervorbereitung im Teil l soll gezielt auf die Anforderungen im Meisterprüfungsprojekt ausgerichtet sein. Dazu gehören meist Entwurfs-, Berechnungs-, Planungs- und Kalkulationsunterlagen, die Ausführung der Leistung oder von Teilen daraus sowie die darauf bezogene Dokumentation und Präsentation.

Bei den Anforderungen im Teil II der Meisterprüfung wird sehr deutlich herausgestellt, dass es nicht mehr auf die Vermittlung von fachbezogenem Einzelwissen ankommt. Es wird unter der handlungsorientierten Ausrichtung der Prüfung verlangt, dass der Prüfungsteilnehmer nachweisen soll, dass er berufsbezogene Probleme analysieren und bewerten sowie geeignete Lösungswege aufzeigen und dokumentieren kann. Dazu soll er Kenntnisse aus mehreren Bereichen, insbesondere aus dem technologischen, ablauf- und verfahrenstechnischen, werkstofftechnische, mathematischen, wirtschaftlichen und ökologischen Bereich verknüpfen.

Die neue Struktur der Prüfungsbereiche im Teil II orientiert sich stärker an den betrieblichen Aufgabenschwerpunkten und umfasst folgende Prüfungsbereiche, die als Prüfungsfächer oder Handlungsfelder bezeichnet werden: ein Prüfungsfach (in wenigen Handwerken auch zwei Prüfungsfächer) zur Fachtechnik, ein Prüfungsfach zur Auftragsabwicklung sowie ein Prüfungsfach zu Betriebsführung und Betriebsorganisation. In jedem der Prüfungsfächer muss mindestens eine fallorientierte Aufgabe bearbeitet werden.

Diese Veränderungen wurden auch in den neuen Rahmenlehrplänen aufgegriffen, die für die meisten Handwerke von den zentralen Fachverbänden in Zusammenarbeit mit der ZWH erstellt wurden. Im Hinblick auf die Anforderungen in der jeweiligen Verordnung stehen innerhalb der Handlungsfelder bzw. Fächer daher künftig typische Handlungssituationen und die dafür erforderlichen Qualifikationen im Vordergrund. Ihnen werden dann inhaltliche Schwerpunkte zugeordnet, die nicht isoliert vermittelt, sondern vorrangig in mehr oder weniger komplexen Kundenaufträgen und entsprechenden Aufgaben erarbeitet werden sollen. In den Lehrgängen steht damit im Teil II die Bearbeitung von betrieblich relevanten Aufgaben im Vordergrund stehen. Dies setzt jedoch die Bereitschaft der Meisterschüler voraus, vor allem im Grundlagenbereich teilweise eigenständig zu lernen und sich die notwendigen Informationen selbst zu beschaffen. Darauf sollten die Bildungsstätten die Teilnehmer schon zu Beginn des Lehrganges hinweisen.

Zu einer sinnvollen Vorbereitung auf die Meisterprüfung ist eine Abstimmung zwischen Lehrbereich und Prüfungsausschuss zur Art von Prüfungsaufgaben dringend erforderlich.

 


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