Kontakt   |  Service  |  Impressum

Vorgehen zur Erstellung handlungsorientierter Prüfungsaufgaben

Bei der Erstellung handlungsorientierter Prüfungsaufgaben bietet es sich an, in mehreren Schritten vorzugehen. Folgende Schritte sind hierfür sinnvoll:


1. Schritt: Themenauswahl

Im ersten Schritt wählen Sie eine praktische Problemstellung aus dem Berufsalltag aus und ordnen dieser einen Themenbereich der Prüfungsordnung zu.

Beispiel:

Abschlussprüfung Bürokaufmann/frau, Rechnungswesen, Problemstellung: buchhalterische Bearbeitung von Beschaffungen.

 

2. Schritt: Formulierung konkreter Fallsituationen

Auf der Grundlage der gewählten bedeutenden Problemstellungen, können Sie jetzt die konkreten Kernsituationen oder Fälle der Praxis formulieren. Diese Fallsituationen sollten in der Praxis vieler Betriebe vergleichsweise vorkommen.

Die Situationsbeschreibung sollte klar, prägnant und überschaubar sein. Alle Informationen und Aspekte die zur Lösung notwendig sind sollten enthalten sein. Unwichtige Details können verwirren und sollten daher weggelassen werden.

Um zu geeigneten Fallsituationen zu kommen, können Sie gemeinsam mit anderen Aufgabenerstellern/Prüfern in einem Brainstorming sammeln und bewerten. Oder Sie können betriebliche Tätigkeitsanalysen durchführen, also analysieren wie bestimmte betriebliche Problemebereiche aussehen.

 

Beispiel:

Sie sind Mitarbeiter/in in der OsNa-Ladenbau GmbH, Geschäftsführer ist der Günther Maler. Herr Maler hat anlässlich eines Messebesuchs von der Wiesner & Busch GmbH einen mobilen Lackierautomaten Rapid XP 2000 erworben. Die Maschinen wurden ordnungsgemäß geliefert. Eine Einweisung erfolgte vereinbarungsgemäß ohne Berechnung. Sie sollen den Vorgang buchhalterisch bearbeiten.

 

 

3. Schritt: Entwicklung konkreter Aufgaben/Fragen

Da Sie nun eine konkrete Fallsituation vorliegen haben, können Sie zu dieser Situation Aufgaben/Fragen formulieren, deren Bearbeitung für die Lösung des Problems erforderlich ist. Dabei sollten Sie darauf achten, dass sich die Aufgaben unmittelbar auf die Situation beziehen. Sie müssen eindeutig formuliert sein und einen konkreten Handlungsauftrag für den Prüfungsteilnehmer enthalten, z. B. "Erklären Sie ?", "Stellen Sie dar ...". Der Aufgabenumfang muss klar erkennbar sein.

In der Praxis zeigt sich, dass der Situationsbezug der Fragen nicht ganz einfach umzusetzen ist. Ob ihnen das gelungen ist, können Sie leicht dadurch testen, indem Sie die Situation abdecken. Wenn die Aufgabe auch ohne Situation zu lösen ist, fehlt der Bezug.

Die Prüfungsaufgabe sollte möglichst eine vollständige Handlung darstellen. Bei der Entwicklung der Aufgaben kann es hilfreich sein, die berufliche Handlung, die zur Lösung des formulierten Problems notwendig ist, zunächst in die einzelnen Phasen: Informationsbeschaffung/ Planung, Durchführung, Kontrolle/Bewertung zu gliedern und daraus Fragestellungen zu entwickeln. Handlungsorientierte Aufgaben umfassen in der Regel eine Situationsbeschreibung mit mehreren Aufgaben (Aufgabenblock), die sich auf die Phasen beziehen.

 

Beispiel:

1. Ermitteln Sie die Anschaffungskosten für den Lackierautomaten; gehen Sie davon aus, dass die OsNa-Ladenbau GmbH alle möglichen Vergünstigungen bekommt.

 

2. Prüfen Sie, ob der Lackierautomat als geringwertiges Wirtschaftsgut? erfasst werden kann. Beachten Sie dabei den Auszug des Gesetzestextes.

 

3. Erklären Sie wie sich die Erfassung eines Anlagengegenstands als "geringfügiges Wirtschaftsgut" auf die Erfolgsermittlung der OsNa-Ladenbau GmbH auswirkt.

 

Verweisen Sie auf die Anlagen.

 

 

 

4. Schritt: Einbindung von Hilfsmitteln und Zusatzinformation

Mit dem Ziel einer praxisnahen Fallsituation sollten nach Möglichkeit weitere Informationen zur Verfügung gestellt werden, die zur Lösung der Aufgabe notwendig sind. Alle Informationen, die im Berufsalltag in einer entsprechenden Situation vorliegen, sollten auch in einer handlungsorientierten Prüfung bereitgestellt werden. Dies sind beispielsweise Angebote, Formulare, Gesetzestexte, Kontenrahmen, Rechnungen, usw.

 

Beispiel:

Das Angebot und die Rechnung über den Lackierautomaten sowie der Auszug aus dem Gesetzestext sind beigefügt.

 

 

5. Schritt: Methodische Umsetzung

Die einzelnen Aufgaben können Sie nun mit unterschiedlichen Prüfungsmethoden umsetzen, also z. B. als Multiple Choice (MC)-Aufgabe, als Zuordnungsaufgabe, Kurzantwortaufgabe, schriftliche Ausarbeitung usw. Für bestimmte Aufgaben bieten sich bestimmte Methoden an. Da handlungsorientierte Aufgaben in der Regel mehrere Aufgaben zu einer Fallsituationen umfassen, bietet sich ein Methodenmix an. Empfehlenswert ist es mitunter, die Fragen zunächst offen zu formulieren und im zweiten Schritt nach geeigneten geschlossenen Alternativen zu suchen.

 

Beispiel:

1. Aufgabe als Lückentextaufgaben: Es muss die Zahl berechnet und eingetragen werden.

2. Aufgabe als MC Aufgabe mit verschiedenen Antwortalternativen

3. Aufgabe als offene Aufgabe für eine Texteingabe

 

 


  Zurück zur Übersicht